Moderne Hüttenarchitektur in den Alpen

Viele alpine Schutzhütten sind in die Jahre gekommen und nicht alle können heutigen Anforderungen entsprechend adaptiert werden. An den geplanten Ersatzbauten scheiden sich aber oft die Geister, vor allem, wenn es um eine zeitgemäße architektonische Form geht (Quelle: OeAV). Wir wollen daher einige dieser neuen Hütten aufsuchen um uns selbst ein Bild zu machen. Auch ein Besuch im OeAV Museum in Innsbruck steht am Programm, da die Sonderausstellung “Hoch Hinaus – Wege und Hütten in den Alpen” sich genau diesem Thema widmet.

 

Monte Rosa Hütte – Walliser Alpen / Schweiz (SAC): Eröffnung des Neubaus 2009; Höhe 2.883m

Die von der ETH Zürich geplante neue Monte Rosa Hütte ist “das” Vorzeige Projekt des SAC in Sachen moderner Hüttenarchitektur und gilt, mit all ihren konstruktiven und technischen Neuerungen, als Experiment mit offenem Ausgang und alpenweiter Beachtung. Der Besuch dieser Hütte im Rahmen der Besteigung der Dufour Spitze inspirierte uns zu unserem “Hüttenprojekt” (Besuch 03. Juli 2011).

 

Leschaux Hütte – Mont Blanc Gebiet / Frankreich (CAF): Eröffnung 2011; Höhe 2.431m

Die Leschaux Hütte ist eine kleine alpine Schutzhütte am Fuß der Grandes Jorasses Nordwand und dient vorallem als Ausgangspunkt für die Besteigung des Walker Pfeilers. Schon der Zustieg zur Hütte ist atemberaubend und nur über lange ungesicherte Leitern und mit einer Gletscherquerung möglich. Dementsprechend stand bei der Errichtung bzw. Ausbau dieser Hütte nicht der Komfort sondern die Funktionalität und der Schutz vor Zerstörung durch Lawinen im Vordergrund (Besuch 22.Aug. 2016)

 

Knofeleben Hütte – Am Gahns / Schneeberg NÖ (Naturfreunde): Eröffnung des Neubaus Mai 2012; Höhe 1.250m

Diese Hütte wurde als Passiv Energie Haus anstelle des 2011 abgebrannten Friedrich Haller Hauses errichtet und ist eigentlich mehr ein Ausflugsgasthaus als eine alpine Schutzhütte. Trotzdem ist sie ein für uns willkommener Stützpunkt auf unserer Lieblingswanderung / Trail Laufrunde (Reichenau – Waldburganger Haus – Bodenwiese – Knofeleben Hütte – Eng – Reichenau) in den Wiener Alpen (Besuch 01.Nov. 2016).

 

Annaberger Haus – Tiroler Kogel / Türnitzer Alpen NÖ (OeAV/ÖGV): Eröffnung des Ersatzbaues 2016; Höhe 1.377m

Da das alte Annaberger Haus aus den 1980er Jahren nicht mehr wirtschaftlich zu sanieren war, wurde auf dem Sockel der alten Hütte eine neue, moderne – und auch ganzjährig geöffnete – Hütte, mittels einer Brettersperrholz Konstruktion aus vorgefertigten Bauteilen, errichtet (Besuch 20.Nov. 2016)

 

Dobratsch Gipfelhaus – Villacher Alpe Ktn. (OeAV): Eröffnung des Ersatzbaues 2010; Höhe 2.166m

Das alte Ludwig Walter Haus – “unsere Verlobungshütte” – konnte die geforderten behördlichen Auflagen in Sachen Abwasser Entsorgung und Brandschutz nicht mehr erfüllen und konnte auch nicht saniert werden. Daher entschloss sich die Sektion Villach des OeAV zu einem Neubau, der auch im Passivenergie Standard errichtet wurde (Besuch 12. Nov. 2016)

 

Höllentalangerhütte – Wetterstein Gebirge (DAV): Eröffnung des Ersatzbaus 2015; Höhe 1.387m

Nach fast 10 (!) jähriger Planungs- und Diskussionsphase wurde die neue Höllentalangerhütte 2015 endlich eröffnet. Die Gemüter entzündeten sich vorallem am Flachdach, dass vielen zu wenig “alpenlänisch traditionell” war, obwohl es aus Gründen des Lawinenschutzes sogar behördlich vorgeschrieben wurde (Besuch 09. Dez. 2016)

 

Olperer Hütte – Zillertaler Alpen (DAV): Eröffnung des Ersatzbaues 2007; Höhe 2.389m

Die neue Olpererhütte wurde auch in einer Brettersperrholz Konstruktion aus vorgefertigten Bauteilen errichtet und zusatzlich mit Lärchenschindeln verkleidet. Die einzelnen Bauteile mussten jedoch mit einem Helikopter vom Tal heraufgeflogen werden, wobei der Heli auch zugleich als Kran fungierte. So konnte diese Hütte in nur 3 Tagen errichtet werden – eine logistische Meisterleistung (Besuch 10.Dez. 2016)!

 

Cap. Corno Gries – Tessiner Alpen (SAC): Erbaut 1927, erweitert 2007; Höhe 2.338m

Die Cap. Corno Gries – benannt nach dem Grieshorn (ital. Corno Gries) – wurde nach den Plänen des Architekten Silvano Caccia aufgestockt und vergrössert. Sie besteht neu aus drei Stockwerken (Eingang und Sanitäre Anlagen, Speisesaal und Küche, Schlafräume), hat einen Speisesaal für 70 Plätze mit einer 360° Panoramasicht auf die Umgebung und verfügt über 50 Schlafplätze in neun Zimmern (Besuch 31.Dez. 2016)

 

Alpinzentrum Rudolfshütte – Hohe Tauern (Privat/ex. OeAV): Erbaut 1979, verkauft und erweitert 2004; Höhe 2.315m

Das ehemalige Alpinzentrum des OeAV ist jetzt ein privat geführtes Alpinhotel, dass immer noch ein beliebter alpiner Stützpunkt und Basis für zahlreiche Ausbildungen ist. Auch eine Hochgebirgsforschungsstätte und eine Wetter- und Klimastation sind dort untergebracht (Besuch 21. Jan. 2017).

 

Polybiwak am Glungezer – Tuxer Alpen (OeAV): Aufgebaut am Glungezer 2016; Höhe 2.610m

Die Polybiwaks bewähren sich seit nunmehr 30 Jahren als Forschungsstationen und Unterkünften in den Eiswüsten der Antarktis und den Bergen der Anden, sowie neben Messstationen auch als (Not)Biwaks in den heimischen Alpen. Dieses Biwak war ursprünglich als “Schauobjekt” neben dem AV Museum in Innsbruck aufgestellt und wurde im August 2016 am Glungezer aufgebaut (Besuch 11.3.2017).

Buchsteinhaus – Ennstaler Alpen (Naturfreunde): Erbaut 1924 – Eröffnung des Ersatzbaus 2010 ; Höhe 1.546m

Nach dem Absinken einer Hausecke des alten Buchsteinhauses war das Haus nicht mehr zu retten und damit abbruchreif. In den Jahren 2008 bis 2010 erfolgte sodann ein kostenintensiver, architektonisch anspruchsvoller Neubau. Die Hütte ist der einzige Stützpunkt für die Besteigung des Großen Buchsteins und der Admonter Frauenmauer. Durch die West- und Südabstürze des Buchsteinstocks führen eine Vielzahl von Routen in allen Schwierigkeiten und ein schöner Klettersteig. (Besuch 15. 4.2017)

Traunsteinhaus – Oberösterreichische Voralpen (Naturfreunde): Erbaut 1925-27 – Eröffnung des Ersatzbaus 2016 ; Höhe 1.580m

Der Traunstein ist der beliebteste Gipfel im oberösterreichischen Salzkammergut, der jährlich Tausende Bergsteiger anzieht. Der Hausberg der Gmundner bietet eine herrliche Fernsicht, die vom Böhmerwald bis zum Dachstein und an klaren Tagen bis zu den Hohen Tauern reicht. Zahlreiche landschaftlich besonders schöne Klettersteige und Kletterrouten führen durch die steile Westseite auf den Gipfel. Das neue Traunsteinhaus wurde auch in Passivenergiehaus Technik errichtet. Das gesamte Projekt musste mittels Hubschrauber Unterstützung realisiert werden, da es keine Materialseibahn gibt (Besuch 25.5.2017).

Franz-Fischer-Hütte – Radstädter Tauern (OeAV): Erbaut 1931 – Eröffnung des Ersatzbaus 2013 ; Höhe 2.020m

Die Franz-Fischer-Hütte liegt im einsamen Rieding Tal und wurde von der Sektion Lungau 2013 neu errichtet. Die alte Hütte wurde mehrmals von Lawinen zerstört und wieder aufgebaut. Das größte Problem bei der Neuerrichtung war jedoch der massive Widerstand des umliegenden Grundstückseigentümers (Besuch 26.5.2017).

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Grintovec Biwak – Steiner Alpen (Slovenischer Alpenverein):  Eröffnung 2013 (?) ; Höhe 2.102m

Das neue Grintovec Biwak ist der ideale Stützpunkt für Besteigungen der Grintovec und der Skuta. Gemütlich eingerichtet bietet es auf ingesamt 3 Etagen Platz für 10-12 Personen (Besuch 27.5.2017).

Skuta Biwak – Steiner Alpen (Slovenischer Alpenverein):  Eröffnung 2015 ; Höhe ca. 2.100m

Das neue Skuta Biwak wurde von Studierenden der Harvard Graduate School of Design mitentwickelt und besteht aus lediglich 13 Millimeter dünnen Glasfaserbetonpaneelen. Hinter ihnen verbirgt sich eine Unterkonstruktion aus Aluminium- und Holzleisten sowie eine 20 Zentimeter starke Wärmedämmung aus Steinwolle. Die drei annähernd gleich großen Module haben dreifach verglaste Giebelseiten und jeweils steile Dächer mit einer gemeinsamen, in Richtung Tal ansteigenden Neigung und bieten spektakuläre Ausblicke (Besuch 27.5.2017).

Kanin Biwak – Julische Alpen (Slovenischer Alpenverein):  Eröffnung 2017 ; Höhe 2.260m

Die Mini-Hütte am Kanin ist ein kompaktes, nur 2,40 m breites und 4,90 m langes, aluminiumverkleidetes Volumen aus Holz. Es ist mittels Stahlplatten im Betonfundament verschraubt und zusätzlich durch sechs Stahlseile gesichert. Die Hälfte des Baukörpers ragt über die Felswand aus, seine talseitige Schmalseite ist großflächig verglast. Das Innere bietet auf einer Fläche von nur 10 m2 zwei räumlich differenzierte Bereiche: Bänke und Ablageflächen im vorderen Teil sowie daran anschließend drei Plattformen mit Schlafplätzen für bis zu neun Personen (Quelle: www.detail.de). Besuch 25.8.2017

 

Schwarzsee Biwak – Villgrater Berge (OeAV):  Eröffnung 2014 ; Höhe 2.310m

Die im August 2014 neu errichteten Biwakschachteln bieten ein einzigartiges Erlebnis auf dem 360° Skyline Trail sie bieten Platz für bis zu 8 Personen pro Hütte. Selbstverpflegung ist notwendig. Quellbäche befinden sich 100m westlich der Biwaks bzw. als Alternative der Quellbach südlich der Einmündung in den See. Es ist ein archaischer Kraftplatz am Bonner Höhenweg und es loht sich eine Umrundung des Sees zu unternehmen (Besuch 20.10.2017).

Lindauer Hütter – Rätikon (DAV):  Sanierung 2016 ; Höhe 1.744m

Im Sommer 2016 wurde durch eine Drehung des neu erbauten Schlafhauses und Umgestaltung des Personalhauses das über Jahrzehnte zusammengewachsene Gebäudeensemble aufgelöst und zu seiner ursprünglicheren Anordnung in einzelne Solitäre zurückgeführt. Die Drehung der Firste in eine Richtung, als verbindendes Merkmal, verleiht der Hütte ein neues, prägnantes Erscheinungsbild und spiegelt die Formensprache der umgebenden Berglandschaft wider (Besuch 23.-24.12.2017).

Cap. Cristallina – CAS Tessin – Neubau 2002: Höhe 2.575m

Die 2002 neu erbaute Cristallina Hütte befindet sich nun auf einem Sattel der das Val Magga und das Bedretteo Tal auf natürliche Weise trennt. Die nach Süden ausgerichtete Tereasse bietet einen atemberaubenden Blick auf den Basodino Gletscher und die umgebende Bergwelt. Diese Hütte ebnete dem Flachdach in den Alpen den Weg und stiess damit zunächst auf erheblichen Widerstand (Besuch 20.2.2018):

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